KeyInvest Blog

 

Dienstag, 23. Oktober 2018

Ölmarkt: Die Zeit der Überversorgung ist vorübergehend vorbei

Ende 2016 stemmte sich die OPEC zusammen mit weiteren Förderländern gegen die globale Ölschwemme. Das Kalkül ging auf: Mittlerweile ist das schwarze Gold knapp, weshalb der Preisaufschwung Analysten zufolge weitergehen könnte.

Alle sechs Monate rückt Wien in den Fokus von Rohstoffinvestoren und -analysten. In der österreichischen Hauptstadt kommt die Organisation erdölexportierender Länder zu ihren regelmässigen Treffen zusammen. Am 6. Dezember 2018 steht das 175. OPEC-Meeting an. Zusammen steuern die 15 Mitglieder des Kartells nahezu 40 Prozent zur globalen Ölproduktion bei. Insofern überrascht es nicht, dass ihre Entscheidungen nachhaltigen Einfluss auf die Energiemärkte nehmen können.

Geradezu mustergültig für diese These steht das 171. Treffen. Am 30. November 2016 segneten die OPEC-Länder eine Kürzung der Produktion ab. Knapp zwei Wochen später kam es zu einem historischen Schulterschluss: Weitere Förderstaaten, allen voran Russland, erklärten sich bereit, die Schlagzahl ihrer Pumpen ab 2017 ebenfalls zu drosseln. Mit dieser konzertierten Aktion sollte die enorme Überversorgung am globalen Ölmarkt eingedämmt werden.

Dieses Kalkül ging auf: Laut Zahlen der U.S. Energy Information Administration (EIA) hatte das weltweite Angebot die Nachfrage zwischen 2014 und 2016 drei Jahre nacheinander übertroffen. 2017 wendete sich das Blatt. Im Schnitt verbrauchte die Welt pro Tag 0.84 Millionen Barrel Rohöl mehr, als produziert wurden. Für das laufende Jahr rechnet die EIA mit einer Unterversorgung von durchschnittlich 0.43 Millionen Fass pro Tag. (Quelle: EIA: Short Term Energy Outlook Data Browser, 11.09.2018) Neben den Kürzungen auf der Angebotsseite sorgte der mit tiefen Preisen und einer globalen Wirtschaftserholung einhergehende Nachfrageanstieg für das Ende der viel zitierten «Ölschwemme».

Ganz nach dem Geschmack der von Saudi-Arabien angeführten OPEC und deren Partnern dürfte auch die mittlerweile zu beobachtende Verteuerung des Energieträgers sein: Vor dem 171. Treffen kostete ein Barrel Brent deutlich weniger als 50 US-Dollar. Mittlerweile notiert die Nordseegattung mehr als 30 US-Dollar oder nahezu 70 Prozent höher. Natürlich ist die historische Entwicklung kein Indikator für den weiteren Verlauf. Umso mehr setzten sich die Akteure an Ölmarkten mit der Frage auseinander, wie es mit dem Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage weitergeht.

Nachdem die Kürzungen über Monate hinweg sogar überfüllt wurden, haben sich die teilnehmenden Länder Mitte 2018 darauf verständigt, auf das ursprünglich vereinbarte Niveau zurückzukehren. Dieser Beschluss führte zu einem Anstieg der täglichen Liefermenge um eine Million Barrel. Nach Ansicht von UBS CIO GWM bleibt die Versorgungslage dennoch prekär. Die Experten führen die Knappheit zum einen auf eine weiterhin steigende Nachfrage zurück. In der Tat könnte das positive Konjunkturumfeld laut EIA dafür sorgen, dass die durchschnittliche globale Nachfrage im laufenden Jahr erstmals über die Schwelle von 100 Millionen Barrel pro Tag steigt.

Auf der Angebotsseite stehen derzeit die beiden OPEC-Mitglieder Venezuela und Iran im Mittelpunkt. Während die schwere Wirtschaftskrise die Ölindustrie in dem südamerikanischen Land ausbremst, zeigen die neuerlichen US-Sanktionen in der islamischen Republik Spuren. Laut CIO GWM sind die Rohölexporte dieses wichtigen OPEC-Mitglieds bereits stärker zurückgegangen als erwartet. Hinzu kommt den Experten zufolge, dass begrenzte Pipeline-Kapazitäten im Permian-Becken die Möglichkeiten der USA einschränken, mit einer erhöhten Produktion zu reagieren. Zwar sei Saudi Arabien im Stande, die Förderung weiter zu forcieren. Dies würde laut CIO GWM allerdings zu Lasten der Kapazitätsreserven gehen. Vor diesem Hintergrund dürfte es den Analysten zufolge im vierten Quartal 2018 am Ölmarkt zu einem Defizit kommen. Sie gehen daher von einem weiteren Preisanstieg bei Brent aus. (Quelle: UBS CIO GWM, «Energie Rohöl: Ein empfindliches Gleichgewicht», 03.10.2018)