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Donnerstag, 8. November 2018

Globale Geldpolitik: 2018 markiert einen Wendepunkt

Während sich die US-Notenbank inmitten des Zinserhöhungszyklus bewegt, hat auch die Europäische Zentralbank einen allmählichen Kurswechsel eingeläutet. Für Investoren stellt sich daher die Frage, ob die Währungshüter mit ihrem Liquiditätsentzug den Aktienmarkt nachhaltig aus dem Tritt bringen. UBS CIO GWM hat dazu eine klare Antwort.

Der Begriff Quantitative Easing, kurz QE, hat in den vergangenen zehn Jahren einen festen Platz im Vokabular vieler Investoren gefunden. Am 25. November 2008 traf die US-Notenbank den Beschluss, Hypothekenbesicherte Wertpapiere, so genannte Mortgage Backet Securities (MBS), in einem Volumen von bis zu 100 Milliarden US-Dollar aufzukaufen. Das Federal Reserve (Fed) wollte damit der von der Finanz- und Immobilienkrise gebeutelten Konjunktur zusätzlich zum damals bereits laufenden Zinssenkungszyklus unter die Arme greifen. Auf diese erste Massnahme sollten zwei weitere QE-Programme folgen.

US-Präsident wütet

Knapp zehn Jahre nach dem historischen Entscheid kann von Krise in der weltgrössten Volkswirtschaft nicht mehr die Rede sein. Vielmehr läuft der US-Konjunkturmotor auf Hochtouren. Das Fed sieht sich in ihren beiden zentralen Zielen, Vollbeschäftigung und stabiles Preisniveau, auf Kurs und hat längst mit der geldpolitischen Straffung begonnen. Während die quantitative Lockerung bereits seit Herbst 2014 Geschichte ist, hat die Notenbank allein im laufenden Jahr ihren Schlüsselsatz drei Mal auf zuletzt 2.00 bis 2.25 Prozent erhöht. (Stand: 17. Oktober 2018) Bis Ende 2019 stellt der Offenmarktausschuss vier weitere Schritte nach oben in Aussicht. Um eine Überhitzung der Wirtschaft zu vermeiden, behält sich Fed-Chef Jerome Powell eine noch stärkere Straffung vor. Im Weissen Haus macht er sich damit keine Freunde. Präsident Donald Trump fürchtet Bremseffekte für die Konjunktur und hat den Kurs der Notenbank scharf kritisiert. (Quelle: Thomson Reuters Medienbericht, 12.10.2018)

Anleiherenditen ziehen an

Auch an den Kapitalmärkten blieb die Kombination aus getätigten Zinserhöhungen und klarem Fed-Ausblick nicht ohne Folgen. Mitte Oktober 2018 bewegte sich die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen mit rund 3.16 Prozent auf dem höchsten Niveau seit dem Jahr 2011. Im Vergleich dazu stossen Rentenanleger auf dem alten Kontinent weiter auf Magerkost. Beispielsweise warf die 10-jährige deutsche Bundesanleihe zum Stichtag keine 0.50 Prozent ab. Bei Schweizer Eidgenossen lag die Rendite gar im einstelligen Basispunktebereich. Und doch zeigt der Zinstrend auch diesseits des Atlantiks nach oben.* Diese Entwicklung geht mit einem allmählichen Kurswechsel der Europäischen Zentralbank einher. Die EZB hat den Ausstieg aus ihrem QE-Programm angekündigt. Per Ende Jahr möchte sie, soweit es die Konjunktur zulässt, die monatlichen Anleihenkäufe von derzeit 15 Milliarden Euro einstellen. Bis dahin wird diese unkonventionelle Massnahme ein Volumen von 2.6 Billionen Euro erreicht haben. Mit einem Zinsschritt, noch liegt der Leitsatz bei 0.0 Prozent, rechnet die EZB frühestens im Herbst 2019. (Quelle: Thomson Reuters Medienbericht, 24.09.2018)

Liquiditätszufuhr vor dem Ende

Gleichwohl bezeichnet Bert Jansen, Aktienstratege bei UBS CIO GWM, das laufende Jahr als einen Wendepunkt in der globalen Geldpolitik. Lässt die EZB ihr Anleihenkaufprogramm tatsächlich auslaufen, würden die vier wichtigsten Notenbanken der entwickelten Welt (EZB, Federal Reserve, Bank of Japan und Bank of England) Wirtschaft und Finanzmärkten unter dem Strich nicht länger Liquidität zuführen. Dem Experten zufolge hat sich die kumulierte Bilanzsumme des Quartetts über die vergangenen zehn Jahr verdreifacht. Im selben Zeitraum steht für den MSCITM World Index mehr als eine Verdopplung zu Buche.* Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass die Sorge für zu stark steigenden Zinsen zu Beginn des dritten Quartals auf den globalen Aktienmärkten lastete.

UBS CIO GWM geht nicht davon aus, dass mit der QE-Politik auch der Bullenmarkt zu Ende geht. Durch das Zurückschrauben der Wertpapierkäufe würden die Zentralbanken ihre Zuversicht ausdrücken, dass die Weltwirtschaft wieder auf eigenen Füssen stehen kann. «Das kann für sich alleine betrachtet nicht schlecht für die Aktienmärkte sein», meint Bert Jansen.

Allerdings sei es angesichts der graduellen Normalisierung der Geldpolitik in Europa und den USA unwahrscheinlich, dass die Aktienmärkte weiterhin mit dem aussergewöhnlichen Niveau der vergangenen zehn Jahre vergleichbare Erträge abwerfen. Zumal mit dem anhaltenden Zollstreit, steigenden Ölpreisen, dem Brexit sowie der italienischen Haushaltspolitik einige Störfaktoren auf den Börsen lasten. «Aus diesem Grund haben wir globale Aktien in der globalen taktischen Vermögensallokation gegenüber hochwertigen Anleihen nur moderat übergewichtet», erklärt der Stratege. (Quelle: UBS CIO GWM, «UBS Equity Compass», 5. Oktober 2018)

* Bitte beachten Sie, dass vergangene Wertentwicklungen keine Indikationen für künftige Wertentwicklungen sind.